Die KrassnajasRepertoire:Russische, ukrainische, polnische, georgische Volksweisen (Themen u.a.: Mädchen wartet auf Kosak, Mädchen weint um Kosak, Mädchen streitet mit Kosak, Mädchen verwünscht Kosak...) Auswahlkriterien für die Lieder: schlicht und ergreifend mehrstimmig singbar Konzept: A capella-Gesang als Performance: maximale Annäherung an die stimmliche Intensität v.a. russischer Folklore bei gleichzeitiger Brechung derselben durch Bühnenshow und Kostüme. aktiv seit 1997 Auftritte Theater-, Kunst-, Strassen-, Hof-, Geburtstags-, Hochzeits-, Firmen- und sonstige Feste in Berlin und Brandenburg, aber auch in Leipzig, München, Hamburg, Amsterdam und der Schweiz Frauenchor bestehend aus 6 - 18 Sängerinnen: Marion Lange Erika Irle Janja Pervan Anja Zickuhr Julika Müller Susanne Oppermann Nadja Hess Minze Tummescheit Anna Buttler Sabine Balzer Chorleitung: Boryana Cerreti-Velichkova |
Durch und durch urbanDie Krassnajas aus BerlinWas singt man für Lieder, wenn - wie man sagt - alles möglich ist und nichts eigentlich Tradition? Warum singt man überhaupt? Gut, man singt, weil es Spaß macht. Singen verbindet, unter anderem Leute,die sonst nicht allzuviel miteinander zu tun haben. So setzen sich die Krassnajas aus dem ganzen Spektrum zusammen, den die moderne Weiblichkeit zu bieten hat,von radikal bis romantisch, konfrontal bis liberal, libertin bis mütterlich ist alles dabei, von Kurz- bis Langhaar, von Armyhosen bis zum Kleid, manchmal alles kreuzüber und verquer. Die Krassnajas sind ein reiner Frauenchor; nicht einmal ein Kastrat, ein Countertenor oder ein maskulines Weichei ist darunter; Boys und Beaus sind zu Claqueuren degradiert. Das ein Punkt, der die Krassnajas anziehend macht, denn das Auge kann, ohne daß es sich festlegen müßte, an einer Vielfalt gefallen finden, die es ihm gestattet, je nach Stil sein bevorzugtes Anschauungsobjekt zu wählen. Und irgendwie ist es auch beruhigend, daß keine der Krassnajas so vollständig auf- und abgeklärt erscheint, da§ man ihnen nicht doch die eine oder andere Entgleisung zutraut. Die Krassnajas sind sozusagen authentisch, wenn das Wort überhaupt noch Sinn macht. Performance hin, Kostüm und Schminke her, unter allem lugt das Leben, wie es heute spielt, hindurch. Authentisch sind auch die Lieder, die sie singen, echt russisch und, wie sie sagen, solide vor Ort recherchiert. Obgleich das, was die Krassnajas unter Chorsingen verstehen, sich vermutlich sehr von dem unterscheidet, was sich auf einem russischen Dorf abspielt. Ebenso slawophil ist ihre Wodkaverehrung. Das macht aber nichts, die Krassnajas sind nicht nur eigensinnig und gebildet, sondern durch die Bank trinkfest. Ein Mensch des Theaters behauptete kürzlich, die Liebe wäre die letzte Utopie.Da mag etwas dran sein, aber wie man seit der Romantik weiß, schafft diese Überspannung mehr Probleme, als sie löst. Auch deswegen ist man gut beraten, wenn man sich an die einfachen Lieder der Krassnajas hält. Sie besingen zumeist die im Grunde schlichten Ereignisse und Rhythmen der Liebe. Sie vermitteln die alte Einsicht, daß zwischen Liebe und Sex eine Spannung besteht, aber auch daß Liebe dem Leben nicht nur Sinn geben, sondern dieses - zumindest zeitweilig - über den Alltag erheben kann. Bei soviel Bedeutung fehlen diesen Liedern nicht die Dramen, die das Leben bereichern. Sie berichten von Glück und Unglück, Verlangen und Erfüllung, von Eifersucht Haß und Verachtung, Bewunderung, Traum und Illusion, von Gewalt und Drogen. Jugend und Alter, Frau und Mann. Das ist fast alles, was man heute dargeboten bekommen kann. Es ist genug für einen Abend. Die Krassnajas sind nicht nur schön und manchmal rot, vielleicht - da niemand mehr weiß, was das ist - sind sie auch feminin, jedenfalls sind sie durch und durch urban. Marc Schweska |
ReferenzenAuftritteu.a. |
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